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  • johannes rauch

16. März 2020 bis 16. März 2021

Am 16. März 2020 wurde in Österreich der erste „Lockdown“ verordnet. Niemand konnte sich unter diesem seltsamen Wort wirklich etwas Genaues vorstellen. Wir haben es schnell gelernt. Die Bilder aus Bergamo gingen um die Welt, die Angst vor überfüllten Intensivstationen war groß, ebenso die Unsicherheit und die Ungewissheit. Ein Impfstoff war in weiter Ferne.


Im Sommer dann, als alles hell war „und die Erde für Spaten leicht“ (Gottfried Benn), haben wir Maske und Vorsicht viel zu früh abgelegt, wie wir heute wissen. Die zweite Virus-Welle im Herbst hat uns mit brutaler Wucht eingeholt, dagegen nahm sich die erste wie ein sanftes Kräuseln der Wasseroberfläche aus.

Im beginnenden Winter hofften wir auf eine Impfung und darauf, dass im neuen Jahr alles besser und es mehr ums Auf- denn ums Zusperren gehen werde. Noch ein Irrtum.


Heute, am 16. März 2021, ein Jahr danach, haben wir zumindest Pflegeheime, Spitäler und alle über 80-Jährigen durchgeimpft, doch wir kämpfen mit Mutanten, geschlossenen Grenzen und kollektiver Corona-Erschöpfung.

Alle Staaten blicken auf ein Jahr Berg- und Talfahrt zurück, zeitlich und in der Heftigkeit verschoben, sonst ohne große Unterschiede.

Wir schütteln keine Hände mehr, tragen Masken, treffen uns in Videokonferenzen, vermissen das Reisen, die Gastronomie und das Zusammensein mit Freundinnen und Freunden. Homeoffice und Homeschooling belasten uns alle, vor allem aber die Frauen und, natürlich, die Kinder.


Wir haben in Ansätzen erst eine Ahnung, wie dieses Jahr sich auswirken wird. Wirtschaftlich, gesellschaftlich, psychosozial.



16. März 2022


Die Welt hat die Sache mit der Pandemie hinbekommen.

Wir wissen, so etwas kann wieder passieren. Aus den Fehlern der letzten beiden Jahre sind neue, adaptierte Krisenpläne entstanden. Zur Überraschung mancher hat sich die Klimafrage nicht in Luft aufgelöst.

Schulen, Verwaltungen, Unternehmen arbeiten tatsächlich „digitaler“.

Die Wiederaufbaugelder, riesige Summen, werden von den einen dafür reklamiert, dass alles wieder so werden möge „wie früher“. Die anderen pochen darauf, dass es so nicht mehr wird und nicht mehr werden kann.


Die entscheidende Frage wird sein, ob kollektive Erschöpfung und Gereiztheit kollektiver Entschlossenheit Platz machen, ob die Bewältigung dessen, was war, zu einer Vorstellung davon führt, wie es sein sollte, damit es besser wird im Sinne von: Teilhabe für alle statt Profitmaximierung für wenige.

Das wird der schwierigste Teil. Garantiert.


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