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"Es gibt Krisenzeiten, in denen nur das Utopische realistisch ist."
(George Steiner)
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Heute unterzeichnen Tirol und Vorarlberg im Bundesministerium die Grundsatzvereinbarung zur Einführung des 1-2-3-Klimatickets. Damit haben sich – mit Salzburg, das waren die ersten – die drei westlichen Bundesländer zu nichts weniger bekannt als zu einem Quantensprung, den der öffentliche Verkehr für die Kundinnen und Kunden machen wird, was Einfachheit, Leistbarkeit, Angebot und Qualität angeht.

Die erste Stufe, nämlich österreichweit um 3 Euro pro Tag mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein zu können, soll noch heuer umgesetzt werden. Das ist ein Kraftakt, den Außenstehende gar nicht verstehen können. Nur wer den Dschungel an Tarifsystemen, Abrechnungsmodalitäten, Fahrscheinautomaten aller Art, Gegen- und Weiterverrechnungen und die komplett unterschiedlichen Zugänge der einzelnen Bundesländer zum öffentlichen Verkehr und seiner Organisation kennt, kann das nachvollziehen.

Nun höre ich hin und wieder: „Mich als Fahrgast interessiert aber nicht, wie das im Hintergrund organisiert ist, ich will beste Qualität zum besten Preis!“ – Recht hat der Fahrgast!

Es ist Aufgabe der Politik, dieses Dickicht an Zuständigkeiten und Puzzleteilen zu entwirren und auf die Reihe zu bekommen. Mehr als ein Dutzend Verkehrsminister*innen ist bislang an dieser Aufgabe gescheitert. Am Kirchturmdenken, an Eitelkeiten, an der Gleichgültigkeit, an der Finanzierung und an der österreichischen Realverfassung: „Ja mei, geht halt nicht, kann ma nix machen, zu kompliziert!“

Wien hat erfolgreich vorgezeigt, was passiert, wenn man im eigenen Wirkungsbereich ein 365-Euro-Jahresticket einführt, Vorarlberg etwas später auch: Es wird so gerne genommen, dass die Anzahl der Jahreskartenbesitzer*innen in Vorarlberg innerhalb von sechs Jahren von 50.000 auf 75.000 gestiegen ist, die Anzahl der Fahrten allein auf der Schiene um jährlich zehn Prozent.[1]


„Schaffe das Angebot, und du bekommst die Nachfrage!“


Wo früher Haltestellen und Bahnhöfe standen, die aussahen, als wären sie Drehorte für einen Spionagethriller zu Zeiten des Kalten Krieges – kalt, dunkel, nicht barrierefrei, mehr Hürde als Einladung, einen Zug zu besteigen –, finden sich heute moderne Mobilitätsdrehscheiben: hell, sauber, von hoher Aufenthaltsqualität; Bus, Bahn, Fahrradabstellanlagen, Car-sharing – alles aus einem Guss.

Die Fahrplan-Vorgabe des Landes: Viertelstundentakt im Ballungsraum, Halbstundentakt izu Spitzenzeiten auch in die Talschaften hinein, Stundentakt auch in den entlegensten Winkeln Vorarlbergs.


Die Mobilität wird sich verändern: On demand, smart, App-basiert, mit viel mehr Fahrrad und viel mehr Öffis, mit viel weniger Auto und wenn, dann nach der Devise: „Nutzen statt besitzen“.

Die Voraussetzungen dafür müssen wir jetzt schaffen. Ist die Nachfrage erst da und das Angebot passt nicht, hat die Politik versagt.


Das 1-2-3-Klimaticket ist ein Meilenstein auf dem Weg in die Mobilitätszukunft, und ich bin froh und auch ein bisschen stolz, einen Beitrag dafür leisten zu können.


[1] Sechs Jahre Jahreskarte maximo: Eine Erfolgsgeschichte | VMOBIL.AT

  • johannes rauch

an

Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall, Rankweil

Bürgermeister Wolfgang Matt, Feldkirch


Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Die Tatsache, dass Sie beide vorab und ohne einer erstgereihten Risikogruppe anzugehören gegen Covid19 geimpft worden sind, ist hinreichend öffentlich kommentiert worden. Sowohl der Landeshauptmann als auch der Bundeskanzler haben dazu klar Stellung genommen und keinerlei Verständnis erkennen lassen. Zu Recht.

Ihre Rechtfertigungen („Verstehe das Theater nicht!“) und Ihre Uneinsichtigkeit („Soll ich mich jetzt entschuldigen?“) hinterlassen einen verheerenden Eindruck. In einer Zeit, da die Währung „Vertrauen in die Politik“ ohnehin eine galoppierende Inflation erlebt, verursachen Sie erheblichen Flurschaden. Sie bringen durch Ihr Agieren die Gesamtheit der politisch Tätigen wieder einmal in Generalverdacht, es sich ohnehin richten zu können.

Das könnte man noch verschmerzen, weil es eine überschaubare Anzahl von Menschen trifft.

Was viel schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass Sie mit Ihrem Handeln das Vertrauen der Bevölkerung in Vorbereitung und Abwicklung der Impfung just zu einem Zeitpunkt erschüttern, da es zu gelingen scheint, die weit verbreitete – und von mancher Seite geschürte – Impfskepsis zurückzudrängen. Sie desavouieren die engagierte Arbeit vieler hundert Menschen allein in Vorarlberg, die sich um die schnellstmögliche Impfung von Risikogruppen und alten Menschen bemühen, und Sie untergraben das Bemühen von Bundes- und Landesregierung, darauf hinzuwirken, dass in dieser angespannten, kritischen Situation sich ausnahmslos alle an die bestehenden Regeln und Spielregeln zu halten haben.

Möglicherweise ist Ihnen trotz der umfangreichen Berichterstattung die Tragweite der Pandemie noch nicht klar. Vielleicht ist Ihnen zu wenig deutlich kommuniziert worden, dass wir uns gerade in einem Wettlauf befinden zwischen der Ausbreitung der Virusmutation B.1.1.7 und der Durchimpfung jedenfalls der besonders gefährdeten Berufs- und Bevölkerungsgruppen. Ein Wettlauf, der über Leben und Tod von vielen Menschen entscheidet, wie ein Blick nach Irland und England zeigt.

Dieser Wettlauf ist nur zu gewinnen, wenn das Grundvertrauen der Bevölkerung in die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit der staatlichen Autoritäten – Bürgermeister*innen gehören dazu! – zumindest einigermaßen intakt ist.

Dass Sie dieses Grundvertrauen zuerst durch Ihr Handeln und dann durch Ihre Uneinsichtigkeit massiv erschüttern und gefährden, macht mich als Staatsbürger und politisch tätiger Mensch ratlos: Wie soll man den Leuten vermitteln, dass notwendig ist, was von Bundes- und Landesregierung in mühsamem Ringen erarbeitet und verordnet worden ist, wenn nicht einmal jene, die von sich behaupten, am allernächsten bei den Leuten zu sein, sich daran halten?!

Diese Frage hätte ich von Ihnen gerne beantwortet.

Johannes Rauch, Landesrat


Die Covid-19-Krise hat uns fest im Griff. Daran besteht auch zehn Monate nach dem Beginn des ersten Lockdowns kein Zweifel. Wir gehen nur unregelmäßig in die Schule und an unsere Arbeitsplätze, wir fahren nicht auf Urlaub, wir sehen den Großteil unserer Verwandten nur am Display unseres Handys oder Computers, wir gehen nicht ins Theater, ins Kino oder auch nur ins Gasthaus. „Es ist klar, dass das Virus den Rahmen diktiert hat, in dem wir Politikerinnen und Politiker im letzten Jahr agiert haben“, sagt Landesrat Johannes Rauch: „Nichts war wichtiger als unser Umgang mit dem Virus und der Krise, die dieses Virus erzeugt hat. Das hat uns vor große Herausforderungen gestellt, und zwar nicht nur, weil die Krise soziale Umwälzungen hervorgerufen hat, wie wir sie noch nicht kannten, sondern auch, weil wir unsere Entscheidungen plötzlich ganz anders treffen mussten: auf Basis von Beobachtungen und Einschätzungen, auf unsicherer Datenbasis unter unglaublichem Zeit- und Leidensdruck. Ich halte die Bedächtigkeit – manche sagen Langsamkeit – demokratischer Entscheidungen und die gemächliche Veränderungsgeschwindigkeit für ein Qualitätsmerkmal entwickelter Demokratien“. Davon war im Jahr 2020 nichts mehr zu spüren. Das Virus hat uns dazu gezwungen, in rascher Folge extrem kurzfristige, extrem weitreichende Entscheidungen zu treffen.

Und obwohl wir noch weit davon entfernt sind, zu einer Form von Normalität zurückzu­kehren, wie wir sie vor 2020 kannten, und obwohl wir uns fragen sollten, ob wir das wirklich wollen, habe ich Ressorts der Vorarlberger Landesregierung zu leiten, betont der Landesrat: „In diesen Ressorts wird weiterhin fantastische Arbeit für unser Land geleistet. Wir haben viel vor – mit der Krise, in der Krise, trotz der Krise.“ Von diesen Vorhaben, Projekten, Konzepten, Gesetzen, Verordnungen und Umsetzungsschritten gibt Landesrat Rauch einen kurzen Überblick.


Digitalisierung

Den Anfang macht der Landesrat mit dem Ressort Digitalisierung. Die Corona-Pandemie hat unsere Lernkurven auf diesem Gebiet gewaltig nach oben schnellen lassen. Videokonferenz-Tools aller Art, Remote-Desktop-Systeme, Cloud­spei­cher und E-Learning-Programme wurden sehr rasch zur Normalität. Das Land Vorarlberg begegnet der Covid-19-Krise auch auf digitalem Weg. „Wir führen gerade ein Pilotprojekt betreffend Homeoffice für die Beschäftigten der Vorarlberger Landesregie­rung, das, so hoffen wir, Modellcharakter für das ganze Land entwickeln soll“, so Rauch; „Wir schnüren ein Digitalisierungspaket für die Schulen im Lande, weil wir 2020 feststel­len mussten, dass nicht weniger als 150 Pflichtschulen über keine Glasfaser-Internet­anschlüs­se verfügen. Unter anderem erhöhen wir die Landesförderung zur Unterstützung der Gemein­den beim Breitbandausbau von 30 Prozent auf 50 Prozent. Als zweiten Schritt unterstützen wir an den Schulen die digitale Infrastruktur und vor allem die WLAN-Konnektivität.“

Umwelt- und Naturschutz


Für das Jahr 2021 ist die Novellierung der Streuwiesenverordnung, der Naturschutzverordnung (Verrechtlichung der neu dazugekommenen Europaschutzgebiete) und diverser Schutzgebiets­verordnungen vorgesehen. Für den zu schaffenden Naturpark Rätikon wird eine Verordnung vorbereitet. Darüber hinaus müssen wir das Management und die Betreuung der Europaschutzgebiete unter dem Dach von inatura weiter stärken. Insbesondere in den neuen Natura-2000-Gebieten Übersaxen-Satteins und Frastanzer Ried haben wir Managementpläne zu erstellen.

Im Rahmen des Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) werden weitere Anstrengungen unternommen, um ein kleinflächiges landwirtschaft­liches Nutzungsmosaik zu erzeugen.


Moorschutz

Moorschutz ist Klimaschutz! Wir haben in Vorarlberg einen besonderen Schatz und dadurch eine besondere Verpflichtung: 20 Prozent aller österreichischen Moorflächen finden sich in unserem kleinen Bundesland. Daher genießt, wie schon in den letzten Jahren, der Moorschutz auch 2021 besondere Priorität. Wir erarbeiten einen Aktionsplan für den Moorschutz im Land und werden die umfassende Moor­karte fertigstellen, einen Projektplan in Korrespondenz mit der österreichi­schen Moor­strate­gie. Darüber hinaus priorisieren wir einzelne Maßnahmen zum Schutz bestimm­ter Moore. Die jüngst umgesetzten Projekte Schollaschopf und Fohramoos sind hervor­ragen­de Anschau­ungsbeispiele.


Luftreinhaltung

In diesem Bereich erfolgen jedenfalls eine Neuerlassung der Luftreinhalteverordnung und eine Novellierung der Verordnung über das Inverkehrbringen von Kleinfeuerungen.



Bodenschutz

Die Böden sind immer noch massiv gefährdet. Durch die immer noch zunehmende Boden­versiegelung steigt der Nutzungsdruck auf die verbleibenden Böden. Aus diesem Grund führen wir Maßnahmen zum Boden-Monitoring gezielt auf jenen Flächen durch, die einem erhöhten Risio durch Schadstoffeinträge ausgesetzt sind.



Biodiversität (Artenvielfalt)

In den letzten Jahren haben wir sehr erfolgreiche Artenschutzmaßnahmen für Wiesenbrüter, Amphibien, Fledermäuse erfolgreich durchgeführt. Im heurigen Jahr wird der Schwerpunkt auf den Insekten liegen. Wir planen eine ganze Reihe von Veranstaltungen, etwa zu den Themen insektenfreundliche Bewirtschaftung oder insektenfreundliche Gestaltung. Die Biotopverbünde Walgau und Rheintal sollen helfen, weiterhin Lebensräume für die Tiere zu sichern und die Durchgängigkeit zu gewährleisten.


Auch die Initiative zur Begrünung von Dächern kann dazu beitragen, die Biodiversität in Vorarlberg zu unterstützen. Hier werden umfassende Informations- und Bera­tungsangebote erarbeitet und Möglichkeiten der Förderung überlegt. Das Feldkircher Pilotprojekt „Neophytenbekämpfung“ soll auch in anderen Landesteilen zur Anwendung kommen.


Schließlich wollen wir 2021 den Vorarlberger Bäuerinnen und Bauern ein Handbuch zur Biodiversitätsberatung in landwirtschaftlichen Betrieben als praxistaugliche Arbeitsgrund­lage zur Verfügung stellen.



Abfallwirtschaft

Wir erwarten eine Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes des Bundes, mit dem wir ein Plastikflaschen­verbot bzw. ein Pfandsystem umsetzen werden. Darüber hinaus beginnen Verhandlungen mit dem Bund betreffend das Altlastensanierungsgesetz, und wir müssen – in Abstim­mung mit dem Umweltverband – Vorbereitungen für die weitere Behandlung von Bio­abfällen und Klärschlamm treffen, da die derzeitigen Verträge bald auslaufen.

In Kürze wird außerdem eine Deponiestudie betreffend Baurestmassen und Bodenaushub fertiggestellt, deren Ergebnisse in die Vorarlberger Rohstoff- und Deponiestrategie einfließen werden.



Klima und Energie



„Energieautonomie+ 2021–2030“

Im Mai 2021 wollen wir unsere neue Energiestrategie „Energieautonomie+ 2021–2030“ prä­sentieren. In dieser Strategie fassen wir bereits existierende Maßnahmen zusammen, z. B. Förderungen für Photovoltaik-Anlagen oder Maßnahmen zum Ausstieg aus Öl und Gas, for­mulieren aber auch neue Ansätze wie Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften, Energieraum­planung oder Plus-Energie-Gebäude.

Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht dort, wo wir sein wollen. In den letzten 15 Jahren haben wir den Einsatz von Öl um fast 60 Prozent reduziert; trotzdem stehen mit heutigem Stand rund 27.000 Ölkessel in Vorarlberg in Verwendung. Im selben Zeitraum haben wir den Anteil erneuerbarer Energien von 32 Prozent auf über 40 Prozent gesteigert. Vor allem in der Energie­produktion aus heimischen erneuerbaren Quellen haben wir beachtlich zugelegt:

  • Holz: + 25 Prozent

  • Biogene Fernwärme: +200 Prozent

  • Solarwärme: +300 Prozent

  • Wärmepumpen: +500 Prozent

  • Photovoltaik: + 1000 Prozent

  • 18 neue Wasserkraftwerke seit 2005, weitere 30 Kraftwerke in Planung


Doch es gibt auch einen Wermutstropfen. Die angestrebte Reduktion des Energieverbrauchs um 13 Prozent im Vergleich zu 2005 haben wir verfehlt; der Energieverbrauch hat sogar um 2,7 Prozent zugenommen.



Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie

Für 2021 erwarten wir erstmalig eine Steigerung des Zubaus an Photovoltaik um mehr als 20 GWh pro Jahr. Damit können wir weitere 4.500 Haushalte mit Sonnenstrom versorgen.

Im Bereich Wasserkraft stehen einige wichtige Projekte an: Die Kraftwerke Argenbach (RAV von 22,7 GWh) und Dabaladabach (RAV von 0,6 GWh) werden derzeit gebaut. Als Miteigen­tümer von illwerke vkw hat das Land einem umfangreichen Investitionspaket in der Höhe von 194 Millionen Euro zur Sicherung der heimischen Wasserkraft zugestimmt.


Nutzung von Nahwärme

Die Nutzung von heimischem Holz zur Stärkung der Energieautonomie bleibt auch 2021 ein wichtiges Betätigungsfeld. 2021 stellen wir eine große Anlage in Dornbirn fertig, mehrere Anlagen werden erweitert. Die kombinierte Förderung von bis zu 35 Prozent für Biomasse-Projekte aus Landes- und Bundesmit­teln bleibt bestehen.



Raus aus Öl und Gas

2021 und 2022 werden wichtige Jahre für den Ausstieg aus Öl und Gas. Für Private gilt ein unverändert hoher Anreiz für den Tausch von Ölkesseln und Gasthermen mit einer Förder­summe von bis zu 9.000 Euro für ein klimafreundliches Heizsystem. Ab 2021 sollen außer­dem auch im Baurecht strengere Kriterien für Öl und Gas gelten.



Verlängerung des Förderprogramms „Energiesparen und Erneuerbare Energie in KMU“

Auch im Jahr 2021 fördert das Land Vorarlberg den Ausstieg von Klein- und Mittel­betrie­ben aus Öl- und Gasheizungen sowie die Steigerung der Energieeffizienz. Die Förde­rung beträgt bis zu 10.000 Euro pro Projekt. Wir wissen, viele Unternehmen haben aufgrund der Covid-19-Situation ganz andere Probleme – aber heizen müssen sie trotzdem. Wer dies künftig auf klimafreundliche Art tut, spart Geld und leistet einen wertvollen Beitrag zur Energieautono­mie.

Diese Förderung wird automatisch mit der Bundesförderung beantragt und als nicht rück­zahlbarer Investitionskostenzuschuss ausbezahlt. Darüber hinaus ist es möglich, diese Förde­rung mit der Covid-19-Investitionsprämie des Bundes zu kombinieren, durch die ökologische Maßnahmen auf Betriebsebene mit bis zu 14 Prozent der Investitionssumme gefördert werden.



E-Mobilität

Vorarlberg ist Spitzenreiter bei den Zulassungen für E-Pkw. Im November 2020 lag die Zu­las­sungsquote bei beachtlichen 11,75 Prozent. Ende November waren fast 3.000 Pkw mit Elek­tro­antrieb auf Vorarlberg Straßen unterwegs. Diesen Spitzenplatz wollen wir auch 2021 wieder erobern – und die Führung im Idealfall ausbauen. Das tun wir durch Beratungs­angebote wie das „Netzwerk Wirtschaft.MOBIL“, aber auch durch gezielte Förderungen im Bereich Mehr­wohnungshäuser oder E-Autos im öffentlichen Interesse. Für den öffentlichen Verkehr wer­den wir 2021 eine weitere Tranche an Bussen anschaffen.



Öffentlicher Verkehr

Wir haben in Vorarlberg – nach Wien – den am besten ausgebauten öffentlichen Verkehr aller Bundesländer, betont Landesrat Rauch: auch in der Fläche, auch in die Talschaften hinein. Mit der großen Tarifreform und der Einführung des 365-Euro-Jahrestickets im Jahr 2014 haben wir eine Dynamik in Gang gesetzt, die dazu geführt hat, dass zum Jahresende 2020 mehr als 70.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger Jahreskarten besitzen. Damit sind wir für den großen Wurf in der österreichischen Klima- und Mobilitätspolitik, die Einführung des 1-2-3-Klimatickets, gut gerüstet. Wir gehen davon aus, dass wir den Rahmenvertrag dazu dem­nächst mit dem Bund unterzeichnen werden. Das österreichweit gültige Ticket um 3 Euro pro Tag sollte bereits ab 2021 erhältlich sein.



Talent 3

Leider keine Neuigkeiten gibt es in Sachen Talent 3. Hier sind wir davon abhängig, ob unser Partner ÖBB es schafft, bei Bombardier die Erfüllung aller notwendigen Zulassungskriterien durchzusetzen. Dass der Zug „funktioniert“, hat die erste Phase des Probebetriebs in Vorarl­berg gezeigt. Die Fahrgäste zeigten sich durchwegs angetan vom sehr ansprechenden Platz­angebot des Talent 3.



Ausbau der Bahninfrastruktur

Ende 2021 wird der Ausbau der Strecke Lustenau–Lauterach fertiggestellt, an dem sich das Land finanziell beteiligt hat. Durch den zweigleisigen Abschnitt zwischen Hard und Lauter­ach erhöhen wir nicht nur die Streckengeschwindigkeit zwischen den beiden Orten, sondern sorgen auch dafür, dass der EC München–Bregenz–Zürich beschleunigt werden kann. Lärmschutzmaßnahmen, an denen sich das Land ebenfalls finanziell beteiligt, sorgen dafür, dass der Streckenausbau nicht zu Lasten der Anwohnerinnen und Anwohner geht.

Des Weiteren stellen wir 2021 die Kerninfrastruktur für die Haltestellen Hard-Fußach und Lauterach-Unterfeld sowie für die Verkehrsstation Altach fertig und vertiefen die Konzept­planungen für die Bahnhöfe Götzis, Wolfurt und Klaus.

Im Sommer 2021 beginnt die Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen im Bereich Bludenz–Bings entlang der Arlberg-Strecke.


Als Vorarbeit zur geplanten Mobilitätsdrehscheibe Bregenz beginnen wir ebenfalls Mitte 2021 mit der Modernisierung und barrierefreien Gestaltung der Hypo-Passsage in Richtung Seeanlagen.

2021 streben wir außerdem den Abschluss eines Vertrages mit dem Klimaschutzministerium über das 9. Mittelfristige Investitionsprogramm 2021–2025 für die Montafonerbahn an. Daneben erfolgt die Planung für die Attraktivierung bzw. Verlegung des Mobilitätsknotens Haltestelle Tschagguns.



Bahnhofs- und Haltestellenvorplätze

In den kommenden Jahren werden wir zahlreiche Bahnhofs- und Haltestellenvorplätze modernisieren und unter anderem mit Bike & Ride-Stationen ausstatten. Dazu zählen:

  • Haltestelle Schlins-Beschling (inklusive Radboxen, Umsetzung 2021)

  • Haltestelle Lochau-Hörbranz (Konzeptplanung weit fortgeschritten, nächster Schritt: Verträge und Umsetzung)

  • Riedenburg (Konzeptplanung weit fortgeschritten, nächster Schritt: Verträge und Umsetzung)

  • Bludenz (Konzeptplanung weit fortgeschritten, nächster Schritt: Verträge)

  • Feldkirch (Konzeptplanung weit fortgeschritten, Umsetzungsstart)

  • Dornbirn (konzeptuelle Grundsätze vorhanden, Vertiefung der Planung)

  • Nenzing (Start der konkreten Planung inklusive Vorplatz und Barrierefreiheit)

  • Ludesch (Planungsstart)



Weitere Planungen

Im Dezember 2021 erwarten wir deutliche Verbesserungen der grenzüberschreitenden Anbindung zwischen Vorarlberg und der Ostschweiz. Grund dafür sind internationale Abstimmungen zum Fahrplanwechsel.

Die Internationale Bodenseekonferenz – Kommission Verkehr (IBK) wird erste Schritte setzen, um das grenzüberschreitende Zielkonzept „BODAN-RAIL 20XX“ zu realisieren, das den Ausbau des Bahnangebots in der Region Bodensee sicherstellen soll.

Weitere – langfristige – Planungen umfassen die Bahninfrastruktur im Rheintal, im Walgau und auf den grenzüberschreitenden Streckenabschnitten.

Schließlich wollen wir 2021 das erste Güterverkehrskonzept des Landes Vorarlberg ab­schließen. Damit setzen wir erste Umsetzungsschritte, um den Güterverkehr im Land zuneh­mend auf die Schiene zu verlagern.



Radverkehr


Fahrradinfrastruktur

Wir arbeiten weiter intensiv am geplanten Radschnellverbindungsnetz in Vorarlberg, und zwar konkret in folgenden vier Abschnitten:

  • Bereich Rankweil–Götzis

  • Bereich Klaus–Koblach

  • Anbindung des Walgaus ans Rheintal

  • Verbindung der Anrainergemeinden des Lauteracher Rieds


Insgesamt 3,4 Millionen Euro investieren wir in die Radinfrastruktur in den Gemeinden. Zu den Highlights, die wir 2021 fertigstellen, zählen der Ausbau der Landesradroute Alltag in Hohenems entlang der Bahn, die Instandsetzung der Landesradroute in Schoppernau, wo wir den alten Fahrbahnbelag erneuern, den Straßenraum neu gestalten und die Beleuchtung auf den neuesten Stand der Technik bringen, der Radweg Rankweil-Brederis im Bereich Kunert, die Asphal­tierung der Radroute zwischen Lustenau und Hard bzw. Fußach sowie ein neuer Geh- und Radweg an der L41 in Wolfurt, um eine Lücke in der Radroute Bregenz–Dornbirn zu schlie­ßen. Auch im Bereich Lauterach-West werden wir Arbeiten für bessere Radverbin­dungen durchführen.

Hinzu kommen Investitionen im Bereich der Landesstraßen, etwa im Zuge der Umsetzung von Rheintal Mitte und der neuen Rheinbrücke Hard–Fußach. Hier sind Resultate aber erst nach 2021 zu erwarten.



Kommunikation über den Radverkehr

Was den Radverkehr betrifft, so steht 2021 ganz im Zeichen junger Radfahrerinnen und Radfahrer. Das generationenverbindende Schlüsselerlebnis des Radfahrenlernens ist in der Formung des eigenen Mobilitätsverständnisses wichtig und förderbedürftig, da immer weniger Kinder mit der Selbstverständlichkeit Radfahren lernen, wie die Elterngeneration dies getan hat. 2021 verteilen wir daher unter anderem das im letzten Jahr erarbeitete „Eltern/Kinder-Handbuch: Ein Mitmach­buch und Radgeber für Eltern und Kinder“ in der Bevölkerung Vorarlbergs. Das Handbuch ist zweigeteilt und richtet sich sowohl an Kinder als auch an Eltern. Es vermittelt Fahrrad­kultur, Mobilität und Sicherheits­aspekte für beide Ansprechgruppen.

Darüber hinaus setzen wir 2021 das Projekt RADIUS im Rahmen der Initiative Österreich radelt fort und gehen mit den erfolgreichen Speichenkobolden in eine zweite Runde. Gemeinsam mit der Region St. Galler Rheintal führen wir einen grenzüberschreitenden Ideenwettbewerb durch, um die Zusammenarbeit zu fördern, veranstalten die Kampagne Sicherlicht zur Sicherheit im Straßenverkehr und legen die Radkarte Vorarlberg neu auf.



Kombinierte Mobilität

2020 war das Jahr der Pilotprojekte. In Rankweil, Hohenems und Lustenau haben wir die Bahnhöfe zu Mobilitätsdrehscheiben ausgebaut, indem wir Stationen für das CARUSO-E-Car-Sharing errichtet und teilweise verschließbare Radboxen aufgestellt haben. 2021 sollen zahlreiche weitere Vorarlberger Gemeinden diesem Vorbild folgen. Es lohnt sich für die Vorarlberger Gemeinden, Bus, Bahn, Fahrrad und Carsharing noch besser miteinander zu verknüpfen: Orte, die gut an den öffentlichen Verkehr angebunden sind, gewinnen an Attraktivität, weil sie ihr Einzugsgebiet vergrößern und ihren Bürgerinnen und Bürgern große Flexibilität in der Wahl ihrer Mobilitätsformen ermöglichen.

In unserem Mobilitätskonzept für das Land waren uns komfortable, diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder ein besonderes Anliegen. Deshalb haben wir 2020 damit begonnen, an verschiedenen Standorten einheitliche, verschließbare VMOBIL-Radboxen aufzustellen. Radlerinnen und Radler aus Rankweil, Lauterach, Hohenems und Umgebung können bereits ihre wertvollen Fahrräder zuverlässig vor Diebstahl, Wettereinflüssen und Vandalismus schützen und sorgenfrei mit Bus oder Bahn weiterfahren. 2021 installieren wir weitere VMOBIL-Radboxen zumindest in Lustenau und Schlins-Beschling. Die Radboxen lassen sich nach einmaliger Registrierung unkompliziert für fast beliebige Zeiträume mieten. Viele Radboxen verfügen über E-Bike-Lademöglichkeiten sowie Innenbeleuchtung, Bewe­gungs­sensoren und Stauraum.

Auch CARUSO Carsharing baut seine Standorte ständig aus. Zu den augenblicklich beste­hen­den 44 Stationen soll 2021 eine ganze Reihe hinzukommen. Das Interesse an dieser Form der E-Mobilität ist ungebrochen groß.

Und mit der VMOBIL Card ermöglicht der Verkehrsverbund Vorarlberg es seinen Kundinnen und Kunden, all diese Mobilitätsangebote mit nur einem Ausweis zu nutzen.



Gemeindeplattform Vorarlberg MOBIL

Die höchst erfolgreiche Plattform, mit der Vorarlbergs Gemeinden ihre Aktionen zur nach­haltigen Mobilität vernetzen, existiert seit nunmehr 15 Jahren. In diesem Jahr liegen die Schwerpunkte unter anderem in folgenden Bereichen:

Plattform Mobilität und Tourismus: Diese 2019 etablierte Plattform soll 2021 durch­starten. Wir wollen Pilotregionen für nachhaltige Mobilität definieren, ein landeswei­tes VVV-Gästeticket etablieren und ein gemeinsames Fahrradkonzept (für Alltag und Tourismus) erarbeiten.

Vorarlberg-MOBIL-Woche 2021: Diese traditionsreiche Veranstaltung findet heuer von 4. bis 12. September statt.

Projekt „Selbständig zur Schule“: Dieses Projekt wird aufgrund der Corona-Pan­de­mie mit einigen Monaten Verspätung abgeschlossen. Es verfolgt das Ziel, Schulwege zu analysieren, Verbesserungsvorschläge zu formulieren und gemeinsam umzusetzen.



Ein Wort zum Schluss

Irgendwann im Lauf dieses Jahres, davon bin ich fest überzeugt, wird der Großteil der österreichischen Bevölkerung gegen das Virus geimpft sein. Dann können wir wieder damit beginnen, was wir vor dem Ausbruch der Pandemie als Sozialleben bezeichnet haben. Gehen wir vorsichtig damit um, und nutzen wir die Krisenzeiten, um – ich paraphrasiere den großen Lehrer George Steiner – das Utopische zu realisieren. Wann, wenn nicht jetzt, könnten wir erkennen und ändern, was uns an unserem alten Leben nicht gefallen hat!?

Auf die Unwägbarkeiten der Corona-Krise folgen unweigerlich die Herausforderungen der Klimakrise. Wir, die Menschheit, haben im letzten Jahr in kollektiven Anstren­gungen unfass­bar viel erreicht. Das stimmt mich auch zuversichtlich für die unabschätzbar steinigen Wege, die vor uns liegen.

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Johannes Rauch

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